Kanadas Baugenehmigungen springen im Juni um 18,5 Prozent — doch weniger Wohnungen bewilligt
Statistics Canada meldet für Juni Baugenehmigungen über 14,9 Milliarden kanadische Dollar, plus 18,5 Prozent. Im zweiten Quartal wurden aber nur rund 80.000 Wohnungen bewilligt statt 82.200.
Die Schlagzeile der Baugenehmigungsstatistik, die Statistics Canada am 12. August veröffentlichte, klingt unmissverständlich: 14,9 Milliarden kanadische Dollar im Juni 2026, ein Sprung von 18,5 Prozent gegenüber Mai und ein Zuwachs von 2,3 Milliarden Dollar. Die für das Wohnungsangebot wichtigere Zahl bewegt sich in die Gegenrichtung. Im gesamten zweiten Quartal wurden rund 80.000 Wohneinheiten genehmigt, nach 82.200 im Vorjahresquartal. Dollarbeträge und Wohnungstüren zeigen in entgegengesetzte Richtungen — und der Grund steckt in der Zusammensetzung der Summe.
Nicht Wohnungen, sondern Institutionen trieben den Sprung
Auf den Nichtwohnbau entfielen im Juni 6,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 1,8 Milliarden Dollar gegenüber dem Vormonat. Allein der institutionelle Bau erreichte 3,2 Milliarden Dollar und führte den Anstieg an, gefolgt vom gewerblichen Bau mit 2,4 Milliarden und dem industriellen mit 1,2 Milliarden Dollar. Auch die Wohnbaugenehmigungen legten zu, allerdings verhalten: 8,1 Milliarden Dollar, ein Plus von 6,3 Prozent oder 479,7 Millionen Dollar. Darin entfielen 5,3 Milliarden Dollar auf den Mehrfamilienbau (plus 283,7 Millionen) und 2,8 Milliarden auf Einfamilienhäuser (plus 196,0 Millionen). Statistics Canada führte Ontarios institutionellen Juni-Schub maßgeblich auf eine einzige neu bewilligte Genehmigung für eine medizinische Einrichtung in der Metropolregion Toronto zurück; die institutionelle Komponente der Provinz erreichte mit 6,1 Milliarden Dollar einen Quartalsrekord. Rechnet man diesen Posten heraus, bleibt vom Juni wohnungspolitisch wenig übrig.
Ein Riss zwischen den Provinzen
Ontario verbuchte im Juni Genehmigungen über 6,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 28,5 Prozent, Québec 3,0 Milliarden Dollar und 22,7 Prozent. Alberta stieg um 19,6 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar. British Columbia ging den umgekehrten Weg und fiel um 9,5 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar — als einzige große Provinz mit einem Rückgang und zugleich jene, in der der Referenzpreis im Großraum Vancouver sinkt. Die Quartalssumme erreichte 40,4 Milliarden Dollar, 3,7 Prozent über dem ersten Quartal, wobei erneut der Nichtwohnbau die Arbeit erledigte.
Warum Stückzahlen und Dollarbeträge auseinanderlaufen
Die Baukosten sind seit mehreren Jahren schneller gestiegen als die Mengen, weshalb eine Genehmigungssumme wachsen kann, während die Zahl der damit bewilligten Wohnungen schrumpft. Eine Verschiebung im Mix verstärkt das: Mehrfamilieneinheiten sind je Wohnungstür günstiger als freistehende Häuser, sodass eine Bewegung hin zu oder weg von Geschosswohnungen das Verhältnis von Dollar je Einheit verändert — unabhängig davon, wie viel tatsächlich gebaut wird. Der Rückgang um rund 2.200 Wohnungen im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr ist absolut betrachtet klein, weist aber in die falsche Richtung für ein Land, in dem das Wohnungsangebot den größten Teil eines Jahrzehnts die zentrale politische Frage war.
Der Markt, in den diese Genehmigungen münden
Die Mitte 2026 erteilten Genehmigungen werden überwiegend 2027 und 2028 fertiggestellt — in einem Markt, der derzeit korrigiert. Die Marktdaten von Glopra weisen kanadische Preise 3,6 Prozent unter dem Vorjahresniveau aus, im Schnitt 4.320 Dollar je Quadratmeter, bei einer Bruttomietrendite von 5,72 Prozent und einem Blasenrisiko-Score von 45 von 100 im moderaten Bereich, Stand 23. Juli. Dass Entwickler auf fallende Preise mit gedrosselten Baustarts reagieren, ist der übliche Mechanismus, durch den Angebotsengpässe Abschwünge überdauern — und die Stückzahl des zweiten Quartals ist ein früher Hinweis darauf, ob dieser Mechanismus greift. Die genannte Bruttorendite enthält den effektiven Mietsteuersatz von 20,72 Prozent für den standardisierten Fall eines Nichtansässigen nicht.
Sources: Statistics Canada, The Daily, 12 Aug 2026 https://www150.statcan.gc.ca/n1/daily-quotidien/260812/dq260812a-eng.htm
Market data: Canada