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Kalte Wohnungen und hohe Wohnkosten: zwei EU-Projekte sehen ein einziges Problem

Laut Eurostat frieren 9,2 Prozent der EU-Bevölkerung zu Hause. Zwei EU-Forschungsprojekte zeigen: Energiearmut und Wohnkosten treffen dieselben Haushalte.

Eurostat zählte im Jahr 2024 9,2 Prozent der EU-Bevölkerung als nicht in der Lage, ihre Wohnung angemessen warm zu halten — eine Verbesserung um 1,4 Prozentpunkte gegenüber 2023. Der Durchschnitt verdeckt eine große Spannweite: Bulgarien und Griechenland liegen jeweils bei 19,0 Prozent, Litauen bei 18,0 und Spanien bei 17,5 Prozent, während Finnland 2,7 Prozent sowie Polen und Slowenien je 3,3 Prozent ausweisen. Zwei EU-finanzierte Forschungsprogramme, am 23. August 2026 vorgestellt, argumentieren: Dieser Indikator und der Indikator für bezahlbaren Wohnraum erfassen weitgehend dieselben Haushalte — und genau deshalb löst die Politik keines der beiden Probleme, solange sie sie getrennt behandelt.

Die beiden Programme

PREFIGURE unter Leitung von Professor Michael Janoschka am Karlsruher Institut für Technologie untersucht 16 lokale Initiativen in acht europäischen Ländern, die bezahlbares Wohnen mit Energielösungen für verwundbare Gruppen verbinden. HouseInc, koordiniert von Dr. Anne Kantel am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, analysiert, wie Energiekosten, Marktstruktur, Politik und Klimawandel die Ungleichheit beim Wohnen prägen. Befragt wurden rund 15.000 Haushalte in acht Ländern, Teil einer größeren Forschungsstichprobe von etwa 30.000 europäischen Haushalten. In beiden Projekten gehören marginalisierte Gemeinschaften in Osteuropa zu den Fallstudien.

Leerstand neben ungedeckter Nachfrage

Ein Befund läuft der üblichen Angebotserzählung zuwider. In Thessaloniki stehen 35.000 Wohnungen leer — in einer Stadt mit anerkannten Bezahlbarkeitsproblemen. Leerstand in dieser Größenordnung ist kein Bauversagen; er zeigt, dass der Bestand zu einem Preis, den der lokale Markt zahlt, nicht nutzbar, nicht vermietbar oder nicht beheizbar ist. Diese Unterscheidung verändert die politische Antwort: Für eine bereits gebaute, leerstehende Einheit bringen neue Baugenehmigungen nichts.

Warum die grüne Wende der Druckpunkt ist

Die zentrale Warnung der Forschenden betrifft Sanierungs- und Dekarbonisierungsprogramme. Ohne bewusst inklusives Design drohen Maßnahmen zur Senkung der Gebäudeemissionen jene Haushalte am härtesten zu treffen, die die Kosten am wenigsten tragen können. Ihre Empfehlungen sind strukturell statt schlagzeilentauglich: Kommunale Strategien sollten auf Quartiers- und Gebäudeebene ansetzen, statt Haushalte einzeln zu behandeln; Programme brauchen langfristige Finanzierungssicherheit statt jährlicher Förderzyklen; und die Kommunen benötigen ressortübergreifende Kapazitäten, um Wohnungs- und Energiepolitik gemeinsam zu führen.

Was eine Renditezahl auslässt

Wer europäische Mietmärkte liest, findet hier den Hinweis auf die Lücke zwischen Brutto- und Nettorendite. Eine Bruttomietrendite ist eine Zahl vor Steuern, vor Energie, vor Compliance. Griechenland, an der Spitze der Rangliste kalter Wohnungen, weist in den aktuellen Glopra-Daten eine Bruttorendite von 4,38 Prozent bei einem landesweiten Durchschnitt von 2.926 US-Dollar je Quadratmeter aus; Athen liegt bei 3.481 US-Dollar und 5,52 Prozent. Beide Werte stehen zugleich neben einem effektiven Satz von 18,07 Prozent im standardisierten Vermietungsfall für Nichtansässige — die Lücke zwischen brutto und netto ist also bereits erheblich, bevor irgendeine Effizienzauflage eingepreist ist.

Wo Sanierungspflichten am Ende Vermieter treffen statt Selbstnutzer, schlagen sie sich in der Nettorendite und in den Investitionsausgaben nieder, nicht im Quadratmeterpreis der Schlagzeile — genau deshalb kann älterer, billigerer, weniger effizienter Bestand im Renditescreening attraktiv wirken und in der Praxis enttäuschen. Das Gegengewicht: Keines dieser Programme hat bislang verbindliche EU-weite Regeln für private Vermieter hervorgebracht. Es handelt sich um Forschung, die eine Debatte formt, nicht um Gesetzgebung mit Inkrafttretensdatum.

Sources: Cyprus Mail (PREFIGURE and HouseInc project findings), 23 Aug 2026 https://cyprus-mail.com/2026/08/23/the-hidden-link-between-europes-housing-crisis-and-energy-poverty; Eurostat, 9.2% of EU population struggled to keep their home warm, 2 Feb 2026 https://ec.europa.eu/eurostat/web/products-eurostat-news/w/ddn-20260202-2