Baugenehmigungen in Deutschland im ersten Halbjahr um 15,1 % gestiegen — stärkster Zuwachs seit 2016
Destatis meldet 126.300 genehmigte Wohnungen im ersten Halbjahr 2026, ein Plus von 15,1 % gegenüber dem Vorjahr. Den größten Teil des Zuwachses tragen Mehrfamilienhäuser.
In Deutschland wurden zwischen Januar und Juni 2026 insgesamt 126.300 neue Wohnungen genehmigt, 15,1 % mehr als im Vorjahreszeitraum und der stärkste Halbjahreszuwachs seit 2016, wie das Statistische Bundesamt am 18. August mitteilte. Allein auf den Juni entfielen 21.600 Genehmigungen, ein Plus von 13,8 % im Jahresvergleich. Nach zwei Jahren, in denen die deutschen Baudaten vor allem gemessen haben, wie weit die Aktivität gefallen war, hat die Reihe gedreht.
Wo das Wachstum tatsächlich liegt
Im Juni verteilten sich die Zahlen auf 17.800 Genehmigungen für Neubauten, ein Plus von 14,1 %, und 3.900 für Umbauten und Maßnahmen im Bestand, ein Plus von 12,1 %. Über das gesamte Halbjahr entfielen 103.100 der 126.300 Genehmigungen auf Neubauten, und deren interne Aufteilung ist noch deutlicher: Zweifamilienhäuser legten um 27,3 % auf 7.700 Wohnungen zu, Mehrfamilienhäuser um 16,9 % auf 67.000, Einfamilienhäuser am wenigsten mit 12,7 % auf 24.000. Auf Mehrfamilienhäuser allein entfallen 53 % aller in diesem Jahr in Deutschland genehmigten Wohnungen — das Mietprodukt also, nicht das Eigennutzerprodukt.
Genehmigungen sind keine Fertigstellungen
Diese Einschränkung ist wesentlich. Eine Baugenehmigung gilt in Deutschland über Jahre und verpflichtet keinen Entwickler, den Spaten anzusetzen; der Abstand zwischen Genehmigung und Fertigstellung hat sich seit 2022 mit den steigenden Finanzierungskosten vergrößert. Der Wert von 126.300 liegt zudem weiterhin unter dem Höchststand von 2016, den Destatis als Vergleich heranzieht — es handelt sich also um eine Erholung von niedriger Basis, nicht um eine Rückkehr zu den Volumina, die Deutschland zur Erfüllung seiner eigenen Wohnungsbauziele bräuchte. Was die Veröffentlichung belegt, sind Richtung und Breite, nicht die Größenordnung.
Das Renditeproblem, auf das dies am Ende antwortet
Glopras Momentaufnahme vom 17. August 2026 setzt Deutschland bundesweit bei 3.650 Dollar je Quadratmeter an, ein Plus von 1,4 % binnen zwölf Monaten, bei einer Bruttomietrendite von 3,42 % — einem der niedrigsten Werte unter den 70 von Glopra erfassten Märkten. Das Preis-Einkommens-Verhältnis liegt bei 7,9, der Blasen-Score bei 51 im moderaten Band. Eine Bruttorendite von 3,42 % in einem Markt mit 12,3 % Transaktionskosten ist allein aus dem Ertrag heraus ein dünnes Angebot — und genau diese Rechnung hat die deutsche Projektentwicklung nach 2022 zum Stillstand gebracht: Die Mieten ließen sich nicht schnell genug anheben, um bei höheren Zinsen die Baukosten zu rechtfertigen.
Ein Sprung der Mehrfamiliengenehmigungen um 16,9 % deutet darauf hin, dass Entwickler wieder Zahlen finden, die aufgehen — sei es über günstigeres Bauland, geringere Baukosteninflation oder höhere erzielbare Mieten. Was immer es ist: Die Wirkung auf die Renditen kommt spät. Bei üblichen deutschen Bauzeiten dürften die im ersten Halbjahr 2026 genehmigten Wohnungen kaum vor 2028 in nennenswerter Zahl auf den Mietmarkt kommen, und bis dahin bleibt die Angebotsbeschränkung bestehen, die die deutschen Mieten oben hält. Für Investoren ist die Veröffentlichung ein Signal über die zweite Hälfte des Jahrzehnts, nicht über die Erträge dieses Jahres.
Sources: Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. 291 (18 Aug 2026) https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/08/PD26_291_3111.html
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